Ratgeber Verfahren
Blechteile nach dem Schneiden: Verfahren im Überblick
Grat, scharfe Kante, Oxidschicht, Schlacke, Oberflächenstruktur oder Ebenheit: Ausgangspunkt ist, was sich an Ihrem Teil ändern muss. Daraus ergeben sich das passende Verfahren und die passende Prüfmethode.
Nach dem Schnitt sind Blechteile selten einbaufertig
Laser-, Plasma-, Brenn- und Stanzschnitt geben dem Teil seine Kontur. Kante, Oberfläche und Ebenheit entsprechen danach aber selten dem, was der Folgeprozess verlangt. An der Kante steht Grat, auf der Schnittfläche bildet sich eine Oxidschicht, an dickem Material haftet Schlacke, und der Wärmeeintrag kann Verzug verursachen.
Ausgangspunkt ist deshalb keine Maschinenliste, sondern die Frage, welche Eigenschaft des Teils sich ändern muss. Die sieben Verfahren unten lösen unterschiedliche Probleme und ersetzen einander nicht.
Verfahren nach Zustand des Teils
| Zustand am Teil | Verfahren | Prüfen an |
|---|---|---|
| Grat an der Kante | Entgraten | Außenkontur, Austritte von Bohrungen und Langlöchern |
| Scharfe Kante nach dem Entgraten | Kanten verrunden | Ober- und Unterkante, Innenkonturen |
| Dunkle Oxidschicht auf der Schnittfläche | Oxidschicht entfernen | Senkrechte Schnittfläche, Bohrungswände |
| Festhaftende Schlacke an der Kantenunterseite | Schlacke entfernen | Gerade Kanten, Ecken, Einstichstellen |
| Ungleichmäßiges Schliffbild auf der Sichtfläche | Oberflächenschliff | Sichtfläche laut Zeichnung |
| Verzug im ungespannten Zustand | Richten | Frei liegend oder definiert abgestützt |
| Kantengeometrie für die Schweißnaht | Anfasen | Fasenwinkel, Steghöhe, Länge der Fase |
Das Schneidverfahren bestimmt die Aufgabe
Zwei Teile aus derselben Tafel brauchen unter Umständen eine unterschiedliche Kantenbearbeitung. Ein kleines Langloch, eine Sichtfläche oder die Gratrichtung entscheidet oft allein über den Weg.
- Laser- und Stanzteile: dünne bis mittlere Blechdicken, vergleichsweise kleiner und gleichmäßiger Grat, viele Innenkonturen.
- Plasma- und Brennschneidteile: Grobblech, starke Schlacke. Handhabung und Abstützung gehören zur Aufgabe.
TFON Baureihen nach Verfahren
Jede Verfahrensseite nennt die TFON Modelle für die jeweilige Aufgabe. Die Übersicht zeigt die erste Zuordnung mit den veröffentlichten Modelldaten für die Auswahl.
| Verfahren | TFON Baureihe | Technische Daten |
|---|---|---|
| Entgraten | TFON Surfacer® TF-RB, TF-RBC, TF-RBF | Max. Materialbreite 1.000 mm (Baugröße 2510) oder 1.300 mm (Baugröße 3013) |
| Kanten verrunden und Oxidschicht entfernen | TFON Surfacer® TF-R, TF-RB | Vorschub 0,6–4,0 m/min |
| Schlacke entfernen | TFON Surfacer® TF-RBC | Aggregat für schweres Entgraten; max. Materialgewicht 500 kg oder 600 kg |
| Oberflächenschliff | TFON Surfacer® TF-RF, TF-RBF | Satinier- und Kantenverrundungsaggregat |
| Richten | TFON Leveltech® XS, TF-S, TF-M, TF-L | Materialdicke 0,3–30 mm, Materialbreite bis 2.000 mm |
| Anfasen | TFON Bevel Wizard® TF-C, TF-F | Materialdicke 4–100 mm, Arbeitswinkel -30° / +80°, Bauteillänge bis 12.000 mm |
Die Werte zeigen, ob ein Teil durch die Maschine passt. Das heißt noch nicht, dass das Ergebnis abnahmefähig ist. Für die Auswahl zählen außerdem Aggregatanordnung, Verbrauchsmaterial, Werkstückaufnahme, Zuführung und das vereinbarte Abnahmekriterium.
Teil und Zeichnung zusammen bewerten
Klären Sie vor der Verfahrenswahl: Werkstoff und Güte, den Ist-Zustand des Teils und das Abnahmekriterium des Folgeprozesses (Schweißen, Lackieren, Beschichten, Montage). Legen Sie Fotos beider Seiten und Nahaufnahmen schwer zugänglicher Stellen bei.
Häufig gestellte Fragen
Kann eine Maschine alle Verfahren abdecken?
Teilweise. Eine Maschine kann mehrere Verfahren in einem Durchlauf kombinieren, etwa Entgraten, Kantenverrunden und Satinieren. Nicht jede Kombination passt zu jedem Teil. Was sich zusammenfassen lässt, hängt von Teilegeometrie und Abnahmekriterium ab.
Welches Verfahren braucht mein Teil?
Das zeigt der Folgeprozess: Prüfen Sie, warum das Teil dort beanstandet wird. Probleme an der Schweißnaht deuten auf die Kantenvorbereitung. Schlechte Lackhaftung deutet auf Oxidschicht oder verschmutzte Oberfläche. Passungsprobleme in der Montage deuten auf mangelnde Ebenheit.
Wie weist man nach, dass ein Verfahren richtig ausgeführt wurde?
Mit einem schriftlich festgelegten Abnahmekriterium. Legen Sie es vor der Bearbeitung fest und messen Sie danach nach demselben Kriterium. Jede Verfahrensseite enthält dazu unter „Prüfpunkte“ eine Checkliste mit drei Punkten.
Senden Sie uns Teil und Zeichnung
Beschreiben Sie Werkstoff, Anlieferungszustand und das Ergebnis, das der Folgeprozess verlangt. Legen Sie Fotos beider Seiten bei, dazu Nahaufnahmen schwer zugänglicher Stellen.